auf der Homepage der SPD Wisserland!
Wir freuen uns, dass Sie uns im Internet besuchen.
Verkehrslenkung im Stadtzentrum Wissen sorgt für Staus – und Wirbel
Die neue Verkehrsführung in der Innenstadt sorgt für Verkehrsprobleme – und für heftige Debatten. Vertreter von Kommunalpolitik liefern sich einen offenen Schlagabtausch über Zuständigkeiten, Fehler und mögliche Lösungen. Am Donnerstag tagt der Stadtrat
Von Peter Seel (Siegener Zeitung)
Verkehrschaos in der Wissener Innenstadt – allerdings fast mehr in der Lokalpolitik als auf den Straßen. Zu einer gar nicht mal sooo neuen Verkehrsleitführung im Bereich Rathausstraße nämlich sind einige Anträge, Vorschläge und Schreiben im Rathaus eingetrudelt. Und die werden am Donnerstag im Stadtrat Thema Nummer 1 sein.
Ausgangssituation: Seit Oktober müssen Autofahrer, die aus Richtung Hamm auf der Ortsdurchfahrt von Wissen in die Stadt kommen, wegen einer neuen Straßenführung an der Gabelung der Straßen „Im Kreuztal“ und „Am Biesen“ anstatt wie bisher weiter geradeaus auf „Im Kreuztal“ zu fahren, nun rechts abbiegen in „Am Biesem“.
Doch die damit erzielte Umwandlung der Rathausstraße in einen verkehrsberuhigten Geschäftsbereich mit Tempo 20 hat zu neuen Problemen geführt: In Verbindung mit Einbuchtungen, die durch Stop-and-go zum Langsamfahren führen, kommt es in den Straßen drumrum zu Problemen im täglichen Verkehr, bis hin zu Staus und quer stehenden Lkw.
Die SPD-Fraktion lud deshalb die Presse ein. Doch wie’s aussieht, rennt sie damit offene Türen ein. Denn wie durch ein Wunder kommen zugleich ein Antrag der CDU zur Änderung der Lage sowie separat ein in dieselbe Richtung zielender Änderungsvorschlag von CDU-Bürgermeister Berno Neuhoff: seitenweise Fakten, Details, Vorschläge, kritische Anmerkungen. Was offenbar alle eint, ist der Wunsch, die Verkehrslage im Stadtkern zwischen besagter Gabelung und dem Bahnhof einerseits entspannter zu gestalten und andererseits einen fluffig-geschmeidigen Verkehrsfluss sicherzustellen. Ob das ohne Weiteres vereinbar ist, muss sich zeigen.
Die SPD jedenfalls wirft dem Bürgermeister vor, die neue Verkehrsführung entgegen vieler Bedenken und Ratschläge, etwa von der Verkehrskommission, durchgedrückt zu haben. SPD-Mann Jürgen Linke formuliert es so: „Autokratisch, wie unser Berno sein kann, hat er die jetzige Lösung einfach durchgesetzt.“
Dem stimmt André Kraft zu, SPD-Stadtratsmitglied sowie SPD-Sprecher im VG-Rat: „Der Stadtrat hat nie eine Entscheidung über die neue Verkehrsleitführung getroffen, sondern das Ganze wurde lediglich in der Wissener Verkehrskommission besprochen. Die wurde auf einmal einberufen, nachdem sie jahrelang nicht getagt hatte.“
Und genau die heutige Verkehrsführung, ergänzt Karl-Heinz Klein, der für die SPD in dieser Kommission sitzt, „die wollte in diesem Gremium keiner: Trotzdem wurde sie umgesetzt. Es war eine Hauruck-Aktion, die nichts gebracht hat.“ Einig sei man sich nur, dass sich etwas ändern muss. Neuhoff betont: „Die Fahrbahnverengungen wurden in der Kommission einstimmig beschlossen.“
Dabei ist das Ziel des Stadtchefs ebenso hehr wie nachvollziehbar: Er will, wie er auf Anfrage mitteilt, die tagtägliche Verkehrslawine aus der Stadt raushaben und die City somit für die Menschen lebenswerter machen. 60.000 Fahrzeuge im Monat fahren über die ehemalige, sehr breite Bundesstraße, und das meist zu schnell. „Hauptproblem bleibt“, erklärt Neuhoff, „dass der Durchgangsverkehr nicht die Geschäfte aufsucht, sondern die Rathausstraße und Buschkamp als Abkürzung nutzt, um bei der Eisdiele über die Ampel auf die Bundesstraße zu kommen. Wichtig ist aber, dass die Menschen zum Verweilen und Einkaufen kommen. Das stärkt den Handel.“
Jetzt schlägt Neuhoff für die Stadtratssitzung am Donnerstag, 5. Februar, selbst vor, dass die Fahrbahnverengung „Im Kreuztal“ bei der Firma Kölschbach verschwindet, „weil sie sich nicht bewährt und zudem zu starker Kritik in der Bevölkerung geführt hat“. Dafür steht Neuhoff auch mit Polizei und Verkehrsbehörden in Kontakt. Die SPD-Vertreter erzählen, immer wieder von Bürgern angesprochen worden zu sein. Zu hören sei gewesen: viel mehr Abgase und viel mehr Zweite-Reihe-Parker. Und Wissener Fahrlehrer kritisieren, dass „keine der bisherigen Maßnahmen auf einen Beschluss der Verkehrskommission zurückzuführen ist, sondern auf eigenständige Anordnungen des Bürgermeisters“. Durch die eingebauten Verengungen entstünden mehr Staus statt mehr Verkehrssicherheit, so die Fahrlehrer. Das Unfallrisiko steige weiter, weil Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer animiert würden, sich an wartenden Pkws „vorbeizuquetschen“. Besser als die Inseln seien Aufpflasterungen oder Kölner Teller.
Kritik kommt auch von der Westerwaldbus GmbH: Verkehrsinseln und neue Straßenführung, heißt es, „stören den Busverkehr extrem bei Zufahrt und Abfahrt an der Grundschule Wissen. Aufgrund der dortigen Parksituation lässt die Straße bei Schulbeginn und -ende keinen Begegnungsverkehr mit Bus und Pkw zu.“
Während die SPD jetzt vor allem die Beseitigung der Inseln als „Verkehrshindernisse“ fordert – und damit bei Neuhoff offene Türen einrennt –, kommt die CDU mit einem neuen Vorschlag: Sie möchte einen „innerstädtischen Kreisverkehr“ prüfen lassen, der über die Straßen „Am Biesem“, Schulstraße und „Im Kreuztal“ führt.
Der ganze Komplex wird am Donnerstag, 5. Februar, im Stadtrat besprochen. Beginn ist um 18 Uhr im Foyer des Kulturwerks in der Walzwerkstraße. Die heutige Verkehrsführung, die wollte in der Verkehrskommission keiner. Trotzdem wurde sie umgesetzt. Karl-Heinz Klein Gremiumsmitglied, SPD